Faltlinien


Faltlinien sind essentiell für Papier-Projekte, von der einfachen Faltkarte bis hin zum komplexen 3D-Papier-Modell. Es ist wichtig, dass sie an der richtigen Stelle sitzen und auch schön in Form fallen – also nicht zu steif sind bzw. bleiben.

Kennzeichnung

In meinen Projekten sind Faltlinien idR farblich gekennzeichnet. Blaue Linien sind als Bergfalte zu falten, rote Linien als Talfalte.

Diese farbliche Kennzeichnung dient der Orientierung beim Zusammenbau, kann aber auch schon bei der ggf. erforderlichen Vorbereitung auf den Plott sehr hilfreich sein (mehr dazu gleich).

Tipp für Cricut-Nutzer: Der Design-Space zeigt die Linienfarbe nach dem platzieren der Form in der Software nicht an. Ich hoffe, dass die Software in dieser Hinsicht noch verbessert wird, zumal die Linienfarbe beim Upload der SVG noch zu sehen ist. Bis dahin kann man sich aber behelfen, indem man die SVG mit einem Browser (z.B. Google Chrome) öffnet. Hier werden die Farben korrekt angezeigt.

Vorbereitung mit dem Plotter

Damit die Faltung beim Zusammenbau genau an der richtigen Stelle sitzt, bereitet man sie mit dem Plotter vor.

Dabei hat man im großen und ganzen zwei Möglichkeiten: Man kann eine Perforation schneiden (durch das gesamte Material), oder man kann die Faltlinie am Stück (also in voller Länge vom Start- bis zum Endpunkt) auf das Material übertragen, sie dabei aber dann nicht durchschneiden, sondern das Material auf andere Weise “weich” machen, damit es genau an entlang dieser Linie geknickt werden kann. Dazu kann man es entweder mit einem Messer oberflächlich anritzen, oder mit einem speziellen Falz-Werkzeug und Druck eine “Soll-Knick-Kante” erzeugen.

In Umsetzung dieser beiden Ansätze findest du in meiner neuen Projekt-Konfiguration (ab 2021 – mehr Infos dazu findest du hier >>) in Papier-Designs, die Faltlinien enthalten zwei Datei-Versionen: fix und variabel.

Datei-Version fix (= Perforation)

In der Version fix sind die Faltlinien als Perforationslinien angelegt, die aus einzelnen Schnittlinien bzw. Pfaden bestehen, die zu einem verknüpften Pfad verbunden sind.

Die exakte Position der einzelnen Perforations-Schnitte und Schnitt-Abstände wurde von mir festgelegt (“fixiert”, deswegen auch die Bezeichnung “fix”) und kann nicht verändert werden.

Dadurch ist auch die zum Teil recht unterschiedliche Interpretation von (durchgezogenen) Linien mit gestricheltem Linienstil durch die Plotter-Software eliminiert und man kann mit jedem gängigen Hobby-Plotter meine Papier-Projekte umsetzen, ohne dass man besondere Falz-Werkzeuge oder Einstellungen für die Faltlinien verwenden muss.

Die Bezeichnung fix bedeutet also auch, dass alles schon fix und fertig ist zum Plotten und man die Faltlinien einfach zusammen mit den Konturen schneiden lassen kann.

Datei-Version variabel (= durchgezogene Linie)

In der Version variabel sind die Faltlinien als durchgezogene Linien angelegt, die zu einem verknüpften Pfad verbunden sind.

Achtung: Man kann diese Version NICHT ohne Vorbereitung schneiden, weil die Faltlinien sonst einfach als ganze Linie durchgeschnitten werden.

In dieser Version kann und muss man noch passende eigene Einstellungen für die Faltlinien vornehmen.

Verwendung mit Cricut

Mit der Datei-Version variabel können die Faltlinien durchgehend mit einem Falz-Werkzeug gefalzt werden (z.B. Falzrad für Cricut Maker).

Dafür muss man nach dem Import der SVG im DesignSpace jeweils die Faltlinien auswählen und auf Falzen umstellen. Mehr Infos dazu findest du hier >>

Wichtig: Wenn man mit einem Falz-Werkzeug arbeitet, anstatt mit einem perforierten Schnitt, ist die Faltlinie wesentlich steifer. Man muss sie also von Hand sehr gründlich nachfalten bzw. ausstreichen.

Verwendung mit Silhouette

Falz- bzw. Prägewerkzeug

Wer mit einer Silhouette Curio plottet, kann das Prägewerkzeug verwenden, um die Faltlinien auf das Papier zu übertragen. Auch hier muss man die Faltlinien kräftig von Hand in Form bringen.

Anritzen statt Perforation

Außerdem kann man mit jedem Silhouette Plotter (Portrait, Cameo, Curio), die Version variabel verwenden, um die Faltlinien nur oberflächlich anzuritzen, anstatt sie perforiert zu schneiden.

Dafür weist man den blauen und roten Linien eine eigene Schnitteinstellung mit minimalem Druck und ggf. auch minimaler Klingentiefe zu.

Einige meiner Kunden nutzen diese Art Faltlinien umzusetzen sehr gern, weil sie das Aussehen der perforierten Falz nicht mögen. Ich persönlich bin kein großer Fan vom Anritzen, weil es einige Tücken birgt.

Es ist meiner Meinung nach nur für Bergfalten geeignet, weil Talfalten beim Einsatz dieser Technik zum Brechen neigen. Außerdem besteht die Gefahr, dass die Schichten des verwendeten Materials sich lösen, die natürlich größer oder kleiner ist, je nachdem, wie das konkret verwendete Material beschaffen ist.

Es mag sicher einzelne Projekte geben, bei denen dieses Vorgehen trotzdem Sinn macht, deshalb will ich es hier der Vollständigkeit halb zumindest erwähnt haben.

Eigenen Linienstil festlegen

Außerdem kann man die Version variabel nutzen, um den Faltlinien in Silhouette Studio einen eigenen gestrichelten Linienstil zuzuweisen. So kann man die Schnitt-Lücke-Längen für den Perforations-Schnitt selbst festlegen, wenn man das möchte.

In den meisten Fällen wird das nicht viel Sinn machen. Ich bemühe mich nämlich sehr, die optimale Anordnung der Perforations-Schnitte in der Datei-Version fix für meine Kunden vorzubereiten. Dieser Anordnung liegt aber eine Ausgangs-Größe bzw. Originalgröße zugrunde, für die das Projekt konzipiert wurde.

Wenn man das Projekt extrem verkleinern oder extrem vergrößern möchte (z.B. bei der Umsetzung mit der riesigen Cameo 4 Pro), kann es ausnahmsweise sinnvoll sein, eine selbst festgelegte Perforation zu verwenden.

Die Perforation in der Version fix mitwächst bzw. -schrumpft, wenn man das Projekt skaliert. Das ist bei moderaten Größenanpassungen sehr von Vorteil, kann bei extremen Veränderungen der Größe aber problematisch sein. Beim Skalieren auf 400% wächst ein Falz-Perforations-Schnitt, der ursprünglich 2 mm lang war, nämlich auf 8 mm. Wer auch bei diesem XXL Projekt eine halbwegs zierlich perforierte Faltlinie schneiden möchte, weicht deshalb besser auf die Möglichkeit aus, den Linienstil selbst festzulegen.

Verwendung mit Brother

Auch bei Verwendung eines Brother-Geräts hat man die Möglichkeit, den Faltlinien in Canvas Workspace einen eigenen gestrichelten Linienstil zuzuweisen.

Wie gerade schon für Silhouette-Geräte ausgeführt, macht das auch hier nur ausnahmsweise Sinn, wenn man ein Projekt stark vergrößern oder verkleinern möchte.

Persönliche Empfehlung

Grundsätzlich kann man beide Datei-Versionen mit jedem Hobby-Plotter verwenden. Für welche Version man sich entscheidet ist also eine Frage der persönlichen Präferenz, der vorhandenen Werkzeuge, des benutzten Materials und der geplanten Größe.

Zu meinen Plotter-Anfängen hat mich die perforierte Falz noch optisch gestört. Inzwischen habe ich mich aber daran gewöhnt. Und ich bin ein fauler Mensch. Ich mag es also gar nicht, wenn ich während eines Plott-Auftrags Werkzeuge austauschen oder Faltlinien mehrfach von Hand nacharbeiten muss.

Darum nutze und empfehle ich praktisch für jedes Gerät (Silhouette, Brother und auch Cricut) und beinahe jedes Projekt grundsätzlich die Version fix.

Gerade wenn man Einsteiger ist, oder auch ein bisschen faul, dann ist man damit sehr gut beraten.

Die einzige grds. Ausnahme von dieser Regel betrifft Cricut-Nutzer, die ein Falz-Werkzeug besitzen und nicht die Mühe scheuen, dieses auch zu verwenden, weil ihnen die Optik der Faltlinie wichtiger ist, als der zusätzliche Aufwand – die benutzen die Version variabel.

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