Cricut Maker Erfahrungsbericht


Hier möchte ich meine Erfahrungen mit dem Cricut Maker mit dir teilen.

Vorgeschichte

Eigentlich Silhouette-Nutzer

Als erstes muss ich vorwegschicken, dass mein allererster Plotter eine Silhouette Cameo der ersten Generation war. Das Gerät durfte im November 2013 bei uns einziehen. Seitdem habe ich immer fast ausschließlich mit Plottern aus dem Hause Silhouette gearbeitet. Mit diesen Geräten bin ich also wirklich fit und die zugehörige Soft- und Hardware kenne ich im Schlaf.

Darum habe ich mich auch nicht gleich auf den Maker gestürzt, als er hier in Deutschland erhältlich war. Immerhin hatte ich ein Gerät (oder besser gesagt viele Geräte), das für mich funktioniert hat.

Software-Dilemma

Als der Maker im deutschsprachigen Raum immer mehr Anhänger gefunden hat, habe ich mir das ganze auch mal näher angesehen. Damals war die Software noch browserbasiert – und schlecht – jedenfalls gemessen an dem, was ich von Silhouette kannte.

SVG-Dateien, die in der Plotter-Software von Silhouette und Brother keinerlei Probleme bereitet haben, wurden absolut sonderbar importiert. Dort gab es plötzlich Linien, die so definitiv nicht in der SVG enthalten waren. Mein Kontakt zu dem Gerät hat mich skeptisch gemacht. Zumal mein Kontakt in der ersten Zeit ausschließlich aus hilfesuchende Zuschriften von Cricut-Verwendern bestand, die gern eines meiner Projekte umsetzen wollten und an irgendeiner Stelle nicht weiter kamen.

Nach einiger Zeit habe ich in meiner Facebook-Gruppe und auch sonst immer wieder sehr positive Stimmen zum Maker gehört bzw. gelesen. Und das hat mich neugierig gemacht. Ich habe mich aber noch eine ganze Weile gesträubt, auch weil ich nicht gewillt war, mich ewig mit der problematischen Software herumzuschlagen und ich befürchtet habe, dass das nicht ganz billige Gerät am Ende nur den Schrank hüten wird – direkt neben meiner verbannten Cameo 4.

Hands on

Später hat meine Freundin Claudia ihren Maker zu mir mitgebracht und ich hatte die Möglichkeit das Gerät einfach mal anzufassen, in Aktion zu sehen und auch selbst zu testen.

Der erste Eindruck war toll, weil das Gerät so schwer in der Hand liegt und einfach einen wirklich wertigen Eindruck macht.

Trotzdem hat mich dieser Erstkontakt nicht so vom Hocker gehauen, dass ich sofort selbst einen Maker bestellt habe. Das lag vor allem daran, dass die Software den tollen Eindruck, den die Hardware macht, sofort wieder relativiert. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass das Gerät ziemlich langsam ist.

Wenn man meine Projekte, so wie ich sie bisher (vor 2021) konfiguriert habe, mit dem Maker benutzen möchte, brauchte man unbedingt ein Falz-Werkzeug und auch etwas Geduld. Denn man musste händisch alle Falzlinien finden und in der zugehörigen Software auf Falzen umstellen. Das fand ich einfach schrecklich umständlich, weil ich es von meinen Silhouette-Geräten gewohnt war, Falze als perforierte Linie zu schneiden und dafür in der Software keinerlei separate Vorbereitungsschritte treffen zu müssen.

Außerdem hat mich diese “geprägte” Falzrad-Falz, die viele an ihrem Maker so mögen, auch nicht so richtig überzeugt. Ich finde sie nämlich im Vergleich zu einer perforiert geschnittenen Falz ziemlich steif. Das heißt man muss sie noch sehr kräftig von Hand nachfalten. Das mag bei einer einfachen Faltkarte kein Thema sein. Aber bei einem 3D-Papier-Modell mit vielen Faltlinien… man kann es sich denken.

Perspektivwechsel

Aber seit diesem Erstkontakt hat es in mir gearbeitet. Ich habe mich weiter mit der Software befasst und erkannt, dass die Vorbereitung in der Software bei näherer Betrachtung nur deshalb so aufwändig ist, weil ich meine Projekte ursprünglich mit und für Silhouette Plotter(n) entwickelt habe. Immerhin stammen viele der Projekte noch aus einer Zeit, in der Cricut hier im deutschsprachigen Raum noch gar kein Thema war.

Diesen Gedanken habe ich eine ganze Weile zur Seite geschoben, denn die Vorstellung alle meine Projekte (inzwischen etwa 500 an der Zahl) neu zu konfigurieren erschien mir viel zu aufwändig. Wozu? Immerhin hatte ich ein Setup, das für mich hervorragend funktioniert hat.

Schließlich haben aber die nicht gerade positive Entwicklung bei meinem Lieblings-Plotter-Hersteller Silhouette, die vielen positiven Stimmen zum Maker und mein Wunsch, Kunden mit einem solchen Gerät auch adäquat helfen zu können, dazu geführt, dass ich Ende 2020 doch einen Maker gekauft und beschlossen habe, alle meine Projekte eins nach dem anderen mit einer neuen Projekt-Konfigurtation zu versehen, die die Verwendung mit einem Cricut-Plotter stark vereinfacht. Mehr Infos zu dieser neuen Projekt-Konfiguration findest du hier >>

Erste Erfahrungen

Meine Maker-Erfahrungen sind also noch ganz frisch – ich bin was dieses Gerät angeht noch absolut grün hinter den Ohren.

Einsteigerfreundlich

Zu meiner Überraschung scheint aber genau das bei einem Maker überhaupt kein Problem zu sein. Denn die Verwendung des Geräts ist (inzwischen?) erstaunlich intuitiv. Beim Einrichten des Geräts wird man direkt durch ein erstes Mini-Projekt (einen einfachen Schnitt aus Tonkarton) geführt.

Schon nach dem ersten Schnitt von einem meiner eigenen Projekte konnte ich verstehen, warum so viele von dem Gerät schwärmen. Das Schnittergebnis war nämlich absolut in Ordnung und hat sich auch gut von der Matte lösen lassen.

Man braucht bei diesem Gerät offenbar praktisch keine Vorkenntnisse, um ein Ergebnis zu erzielen, für das man bei einem Silhouette-Gerät schon ein wenig arbeiten und Erfahrung sammeln muss.

Die Kehrseite ist allerdings, dass man nicht nur weniger einstellen muss, sondern auch weniger einstellen kann, als bei einem Silhouette-Gerät. Man hat also z.B. nur zwei Geschwindigkeitsstufen: Normalbetrieb und Schnellmodus.

Gutes Schnittbild

Schon bei meinen ersten Tests, war ich vom Schnittbild positiv überrascht. Fast alle kleinen Teile sind beim Ablösen der Karte brav auf der Matte geblieben. Ein paar kleine Punkte haben einen extra Schubs gebraucht.

Das Schnittergebnis ist wirklich in Ordnung – gerade wenn man berücksichtigt, dass man es ohne jede Vorkenntnis oder Vorbereitung erzielt.

Nicht so zufrieden war ich mit den sehr spitzen Ecken. Diese wurden zum Teil etwas aufgestellt:

Sehr spitze Ecken sind für Schleppmesser-Plotter immer eine Herausforderung. Die Silhouette-Plotter lösen diese Herausforderung aber etwas besser, weil es hier den sog. Überschnitt gibt, der hier das Schnittbild sichtbar verbessern würde.

Eine vergleichbare Funktion gibt es bei Cricut (aktuell??) nicht.

Aber das ist zugegebenermaßen jammern auf hohem Niveau.

Schneller als gedacht

Das nächste, was ich mir näher angesehen habe, war die für den Schnitt benötigte Zeit. Ich habe hier zwar kein Fließband wo es auf jede Sekunde ankommt, aber Zeit ist generell ein knappes Gut und niemand wartet gern. Außerdem hat die Maschine schon bei meinem Erstkontakt auf mich einen recht behäbigen Eindruck gemacht, auch weil sie gefühlt immer eine Art Gedenksekunde zum Absenken und Anheben des Messers braucht.

Test-Voraussetzungen

Darum habe ich gleich beim ersten Schnitt meiner Karte (Faltkarte Happy Birthday 2) die Zeit genommen. Anschließend habe ich dasselbe Projekt mit meiner Silhouette Portrait 2 geschnitten und ebenfalls die benötigte Zeit gestoppt.

Für den Test habe ich meine Faltkarte Happy Birthday 2 gewählt weil sie ziemlich filigran ist und sowohl Ecken als auch Rundungen enthält.

Beim Maker habe ich die vor eingestellte Schnitteinstellung Farbkarton Mittelstark (/Medium Cardstock) 80 lb (216 gsm) verwendet.

Beim Schnitt mit meiner Silhouette Portrait 2 habe mit maximaler Geschwindigkeit geschnitten (10), zwei Durchgänge, kein Überschnitt. Letztere Funktion nutze ich sonst zwar regelmäßig, sie würde den Vergleich aber verzerren, da sie die Schnittdauer durch das zusätzliche Anheben und Absenken das Messers an jeder Ecke deutlich erhöht.

Test-Ergebnis

Beide Geräte haben ziemlich genau 8:30 Minuten für den Schneidevorgang benötigt.

Das konnte ich fast nicht glauben, weil der Maker so langsam wirkt. Bei näherem Hinsehen erklärt es sich aber dadurch, dass man bei einem Silhouette-Plotter idR zwei Durchgänge benötigt, um beim Schneiden von Tonkarton wirklich saubere Ergebnisse zu erzielen. Nur so ist der Schnitt überall zuverlässig “durch”. Der Maker schafft das aufgrund des höheren Anpressdrucks in nur einem Durchgang.

Dann wollte ich es genau wissen und habe das Projekt nochmal mit dem Maker geschnitten, diesmal im Schnellmodus. Ich habe zwar gelesen, dass der Schnellmodus nur für simple Formen gemacht bzw. gedacht ist und bei filigranen Schnitten zu unschönen Ergebnissen führen kann. Aber Versuch macht ja bekanntlich klug. Und vom Ergebnis war ich positiv überrascht. Der Schnitt dauerte im Schnellmodus nur 7:08 Minuten (also 16 % weniger) und das Schnittergebnis ist trotzdem in Ordnung.

Tatsächlich war diese Erkenntnis zur Geschwindigkeit ein echtes Aha-Erlebnis für mich! Damit ist der Maker für mich (ich bin kein sehr geduldiger Mensch) nämlich eine ernst zu nehmende Option.

Fortsetzung folgt

Ich habe hier meine frische Einsteiger-Erfahrung für dich zusammengefasst, weil viele nach meinem ersten Eindruck gefragt haben.

Wie oft ich das Gerät im Alltag verwende, oder dann doch aufgrund Gewohnheit meine altbewährten Silhouette-Plotter zum Einsatz kommen, muss sich erst noch zeigen.

Sobald es dazu mehr zu berichten gibt, werde ich diesen Bericht für dich ergänzen.

Verwendung meiner Dateien

Ich stelle aktuell meine Projekte so um, dass sie auch mit einer Cricut mit minimaler Vorbereitung verwendet werden können.

Bereits überarbeitete Projekte sind im Shop entsprechend gekennzeichnet – mehr Infos dazu findest du hier >>

Weitere Infos

Infos zur für Cricut optimierten neuen Konfiguration findest du hier >>

Infos zur Vorbereitung meiner Designs im Format SVG im Cricut Design Space findest du hier >>

Infos zum Skalieren im Cricut Design Space findest du hier >>

Infos zu den Faltlinien in meinen Designs findest du hier >>

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.